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Digitale Teilhabe – Mehr Barrierefreiheit.

Von 9. Februar 2021 Keine Kommentare

Barrierefreie Bildung im Zeitalter der Digitalisierung.

Die Digitalisierung schreitet voran, aber wie steht es eigentlich um Barrierefreiheit im Umgang mit digitalen Medien? Das SINUS Institut hat das im Auftrag von AKTION Mensch untersucht.

Die Nutzung von mobilen Endgeräten, digitalen Lern- und Lehrinhalten oder Online-Informationsquellen ist im letzten Jahr stark angestiegen. Es gibt immer mehr Plattformen, die spannende Möglichkeiten bieten, z.B. den Unterricht für einen Großteil der Menschen motivierend und innovativ zu gestalten. Oft wird dabei aber die Barrierefreiheit vergessen. Hardware, Software und soziale Medien sind häufig nicht darauf ausgelegt, dass Menschen mit Behinderung gleichermaßen teilhaben können. Das führt dazu, dass viele Personen zurückgelassen werden und die Ungleichheit steigt. Der erschwerte Zugang ist aber nicht nur im Bildungsbereich ein großes Problem, sondern genauso in allen anderen gesellschaftlichen Bereichen, in denen es Online-Angebote gibt.

Was bedeutet Inklusion im digitalen Bereich?

Digitale Teilhabe bedeutet heutzutage auch gleichzeitig soziale Teilhabe, denn ein Großteil der Informationsbeschaffung, der Kommunikation und des Austauschs findet online statt, zur Zeit sogar fast ausschließlich. Deshalb ist es besonders wichtig, dass dabei alle Menschen bedacht werden und von dieser Entwicklung profitieren können. Dafür müssen beispielsweise Internetseiten barrierefrei gestaltet werden, sodass Menschen mit Behinderung ebenso wie alle anderen die Möglichkeit haben, die Vorteile der digitalen Welt zu nutzen, sich selbstständig zurechtzufinden und lernen mit Chancen und Risiken umzugehen.

„Teilhabe an digitalen Technologien und Medien meint den einfachen und sicheren Zugang zu digitalen Technologien und Medien. Hier geht es um den Zugang zu Hardware wie Computer oder Smartphone, Infrastruktur wie WLAN oder auch den Erwerb von Medienkompetenz. Das Ziel ist die Möglichkeit einer souveränen Nutzung von digitalen Technologien.“ – SINUS-Studie, 2020.

Die Studie.

Die Studie „Digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderung“ vom SINUS Institut untersucht die Chancen und Risiken der Digitalisierung für gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderung in sämtlichen Bereichen. Grundlage dafür waren Tiefeninterviews mit insgesamt 55 Personen aus verschiedenen Branchen und unterschiedlichen Erfahrungen. Die Ergebnisse der Studie wurden 2020 veröffentlicht, die dreistufige Forschung ab Sommer 2019 durchgeführt. Mehr zu dem Studienaufbau gibt es hier zum Nachlesen.

In den Schlüsselergebnissen der Studie überwiegen die vielen Chancen, die durch die Digitalisierung entstehen. Chancen sehen Expert*innen aus den Bereichen von Universitäten und Referent*innen sowie befragte Personen mit Behinderung z.B. in steigendender Autonomie und einem selbstbestimmten Leben sowie in der Vernetzung, der politischen Teilhabe und in neuen Zugängen, die dadurch geschaffen werden können.

Hindernisse und Risiken zeigen sich primär in mangelnden digitalen Kompetenzen bei den User*innen und gleichzeitig bei dem Fachpersonal in beispielsweise Bildungseinrichtungen. Außerdem spielen die Anschaffungskosten der Hardware eine zentrale Rolle und die Angst, dass durch eine stärkere Digitalisierung die Ungleichheit in Bezug auf Teilhabe für Menschen mit Behinderung noch weiterwächst.

Was wird gefordert?

Abschließend kommen alle Beteiligten zu dem Ergebnis, dass es einen Wandel geben muss, der gesamtgesellschaftlich angegangen wird. Inklusion und digitale Teilhabe müssen in allen Prozessen gleichberechtigt mitgedacht werden, um eine vielfältige und zukunftsfähige Gesellschaft zu schaffen. Dafür braucht es technologische Innovationen, die Integration in die Prozesse von Menschen mit Behinderung, um die Entwicklung zu unterstützen sowie politische Rahmenbedingungen, um beispielsweise den Bildungseinrichtungen mit Finanzierungsmöglichkeiten und Fortbildungen unter die Arme zu greifen. Dennoch bleibt es eine Aufgabe, die die komplette Gesellschaft durchlaufen muss, von Wirtschaft, über Politik bis hin zu Bildung.

Positive Beispiele im Bildungsbereich:

Apple: Support für iPhone- und iPad-Bedienungshilfen.
Mathildr: Kopfrechnen für alle.
Digitale Inklusion: Unterstützte Kommunikation in der Praxis.

Weitere Informationen/Quellen zu Barrierefreiheit im Internet:

Aktion Mensch: Digitale Barrierefreiheit.
Bundeszentrale für politische Bildung: Werkstatt digitale Inklusion.
Deutscher Bildungsserver: Inklusion und digitale Bildung.
SINUS Institut: „Digitale Teilhabe von Menschen mit Behinderung.“